Die historische Hofstelle des heutigen Wittenberg-Hofes in Stahlbrode wurde um das Jahr 1900 gegründet. Fritz Schwerin übernahm als Pächter die Bewirtschaftung der Greifswalder Ländereien mit einer Fläche von etwa 90 Hektar. Er führte den Hof mindestens 25 Jahre lang, bis etwa 1938/39. In dieser Zeit prägte er den landwirtschaftlichen Betrieb und trug maßgeblich zur Entwicklung des Hofes bei.
Nach Fritz Schwerin übernahm Karl Wittenberg, ursprünglich aus Subzow stammend, den Hof und bewirtschaftete sowohl Ackerland als auch Gebäude bis 1949. Der Stall, traditionell parallel zur Scheune angeordnet, war ein typisches Fachwerkgebäude und mit Schilfrohr gedeckt, was für die Region und die Zeit typisch war. Im Frühjahr 1931 ereignete sich jedoch eine katastrophale Brandkatastrophe: Ein Blitzschlag setzte die Scheune in Brand und zerstörte sie vollständig.
Dank des beherzten Einsatzes von Max Wolzin, dem 1. Pferdepfleger des Hofes, konnte der gesamte Viehbestand gerettet werden. Wolzin handelte sofort, band die Tiere los und führte sie aus dem brennenden Stall. Für seine mutige Tat erhielt er unter anderem das lebenslange Wohnrecht im zweiten „Leutehaus“ des Hofes. Der Wiederaufbau von Stall und Scheune wurde noch im selben Jahr in Angriff genommen, mit Unterstützung des Nachbarn Peters, dem Elternhof von Frau Walli Wittenberg. Der Neubau erfolgte jedoch nicht mehr mit Schilfrohr, sondern mit einem Pappdach, was die neuen Herausforderungen der Zeit widerspiegelte.
Mit der Übernahme des Hofes durch das volkseigene Gut im Jahr 1950 wurden die landwirtschaftlichen Strukturen des Hofes grundlegend umgebaut. Alle Ställe wurden nun auf Rinderhaltung umgestellt. Zunächst wurden 80 Milchkühe gehalten, später stieg die Zahl auf bis zu 100 Masttiere. Die Landwirtschaft musste sich zunehmend industrialisieren, und mit der Einführung der Mähdrescher und moderner Maschinen wurden die landwirtschaftlichen Arbeiten effizienter. Vor dieser Zeit war das Dreschen von Klee und Hülsenfrüchten sowie das Getreidedrusch eine aufwendige Winterarbeit, die in der Scheune stattfand.
Ein bemerkenswerter Aspekt der landwirtschaftlichen Praxis auf dem Hof war die Ausbildung von Lehrlingen. Durch die Nähe zum neu erbauten Internat und das volkseigene Gut wurden viele junge Menschen in der Landwirtschaft ausgebildet und unterstützten bei der Arbeit auf dem Hof. Der Dunghaufen für die vielen Tiere wuchs im Laufe der Jahre ohne feste Platte und Jauchegrube immer tiefer, was schließlich zu einem erheblichen Sicherheitsrisiko für die Kranführer und Traktoristen wurde.
Zum Hof gehörten auch drei „Leutehäuser“. Das älteste dieser Häuser war etwa 150 Jahre alt und wurde von uns komplett saniert, wobei auch das Fachwerk teilweise wiederhergestellt wurde. Heute beherbergt dieses Gebäude drei Wohnungen, von denen die mittlere als Ferienwohnung unter dem Namen „Bauernkaten“ genutzt wird. Das zweite Leutehaus wurde etwa 1985 wegen seiner Baufälligkeit abgerissen, während 1937 ein weiteres Leutehaus erbaut wurde. Dieses wurde 1982 umgebaut und mit einem Anbau versehen. Es wird heute als eigenständiges Wohnhaus genutzt.
Im Jahr 1993 ging der Wittenberg-Hof in den Besitz der Familie Schulz über, die den Hof auf Erbpachtbasis übernahm. Seitdem hat die Familie den Hof mit viel Engagement und Liebe zum Detail restauriert und die Geschichte dieses einzigartigen Ortes bewahrt. Die Familie Schulz hat den Wittenberg-Hof zu einem modernen landwirtschaftlichen Betrieb gemacht, der gleichzeitig die Traditionen der Region pflegt.
Die Geschichte des Wittenberg-Hofes ist damit eine Geschichte von Landwirtschaft, Tradition, Veränderung und einem tiefen Familienengagement, das den Hof zu einem lebendigen Teil der Region Stahlbrode macht. Die Verbindung von alter Baukunst und modernem Landwirtschaftsbetrieb ist ein markantes Merkmal dieses traditionsreichen Hofes, und auch die Familie Schulz trägt dazu bei, das Erbe der Region zu bewahren und gleichzeitig in die Zukunft zu führen.
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Gründung der Hofstelle
Die Hofstelle des heutigen Wittenberg-Hofes wird gegründet, etwa um 1900. Fritz Schwerin übernimmt die Bewirtschaftung der Greifswalder Ländereien, die eine Fläche von ca. 90 Hektar umfassen. -
Pachtzeit von Fritz Schwerin
Fritz Schwerin bewirtschaftet den Hof für mindestens 25 Jahre. -
Brand der Scheune
Ein Blitzschlag setzt die Scheune des Hofes in Brand, sie wird vollständig zerstört. Der gesamte Viehbestand kann durch den beherzten Einsatz von Max Wolzin, dem 1. Pferdepfleger, gerettet werden. -
Wiederaufbau von Stall und Scheune
Mit Unterstützung des Nachbarn Peters wird Stall und Scheune im selben Jahr wieder aufgebaut, allerdings mit einem Pappdach anstelle des vorherigen Schilfrohrdachs. -
Bau eines dritten Leutehauses
Ein drittes „Leutehaus“ wird auf dem Hof erbaut. -
Pachtzeit von Karl Wittenberg
Karl Wittenberg, der aus Subzow kommt, übernimmt den Hof nach Fritz Schwerin und bewirtschaftet Ackerland und Gebäude bis 1949. -
Übernahme durch das volkseigene Gut
Der Hof wird durch das volkseigene Gut übernommen. Alle Ställe werden auf Rinderhaltung umgebaut. Es werden zunächst 80 Milchkühe gehalten, später steigt die Zahl auf bis zu 100 Masttiere. -
Umbau des dritten Leutehauses
Das dritte „Leutehaus“ von 1937 wird umgebaut und mit einem Anbau versehen. Es wird fortan als eigenständiges Wohnhaus genutzt. -
Abriss des zweiten Leutehauses
Das zweite Leutehaus, aufgrund von Baufälligkeit, wird abgerissen. -
Erbpachtübergang an Familie Schulz
Der Wittenberg-Hof geht in den Besitz der Familie Schulz über, die den Hof auf Erbpachtbasis übernimmt. -
Sanierung und Restaurierung des Wittenberg-Hofes
Die Familie Schulz sanierte und modernisierte den Wittenberg-Hof unter Erhaltung der historischen Bausubstanz. Der Hof wird weiterhin landwirtschaftlich genutzt.